BLOG

Kann Micro Four Thirds (MFT) auch Bokeh?

10 Apr 2017, Geschrieben von Bernhard Rauscher in Berichte vom Foto-Shoot

Die kleinen Kameraformate von Olympus lernte ich schätzen und lieben, denn auf Reisen sind sie unschlagbar. Da ich viel mit Lightpainting unterwegs bin und möglichst mobil sein möchte sind sie ein Traum. Die MFT Kameras basieren auf einem recht kleinen Sensor (kleiner als APS-C und erst recht kleiner als Kleinbild-„Vollformat“). Dies soll hier aber keine technische Abhandlung oder Test sein!

Warum ist klein besser?

Klein ist ja nicht unbedingt besser, aber unterwegs bestimmt. Denn daran hängt eine Menge: Die kleinere Bauweise hat auch kleinere Objektive mit weniger Gewicht zur Folge. Und genau das lässt einem Raum, auch ein leichtes Reisestativ einzusetzen anstatt das fette Carbon-Teil. Auch die Akkus sind kleiner etc. – sprich, „Schatz, ich hab die Kamera geschrumpft“.

Klein kann aber auch gut sein für die Schärfentiefe, denn ein kleiner Sensor zeichnet generell einen größeren Bereich scharf.

Warum ist klein schlechter?

Und genau der Punkt Schärfentiefe ist auch das Problem, wenn es darum geht eben nur einen möglichst kleinen Bereich scharf abzubilden. Das Unscharfe nennt man dann „Bokeh“. Da ist einfach der größere Sensor bauartbedingt im Vorteil. Am besten gleich Mittelformat. Darum liebe ich auch mein Vollformat. Aber ich will ja nicht einfach nur sturr sein, was wäre das für ein Fortschritt?

Probieren geht über Studieren

Es war an der Zeit für ein Test in meinem klassischen Genre der People-Fotografie. Auf einem der letzten Auftrags-Shoots nahm ich nun also als Zweitkamera die Olympus OM-D EM1 mit. Mit der 45mm/f1,8 Festbrennweite. Von der Brennweite her entspricht dies in etwas meinem 85mm/f1,2 Vollformat Objektiv an der Canon. Rein rechnerisch bin ich aber mit der Olympus im Nachteil, wenn ich’s schön unscharf im Vorder- und Hintergrund haben möchte. Aber das ist nur die Mathematik.

Hier meine Ergebnisse (Olympus):

…und zum Vergleich ein Bild aus der Canon Vollformat:

Fazit: man muss schon genau hinschauen, und Bokeh geht definitiv auch mit dem kleinen Monster 😉

Scharf sind die Dinger übrigens auch, hier ein 100% Ausschnitt:

Was ist nun der Nachteil?

Ok, wenn ich extrem kleine Schärfentiefen benötige, dann könnte es eng werden. Aber in diesen Bereich komme ich seltener.

Die Auflösung ist ein kleiner Nachteil (16 bzw. 20 MP). Ich hatte schon Doppelseiten in Zeitschriften und Büchern, da wurde es knapp. Aber hier entwickelt sich gerade noch einiges. Die (neuen) 20 MP Sensoren sind schon sehr gut.

Manche Auftraggeber, z.B. adidas, geben Kamera-Specs vor (Studio: Mittelformat und Outdoor: Vollformat), da darf man dann einfach nicht anders.

Der größte Nachteil ist aber witzigerweise im Kopf des Kunden. Denn die OM-D ist physisch kleiner als die DSLR, die er selbst zu Hause liegen hat. Man kommt dann nicht „so professionell“ rüber in manchen Kundenaugen. Das ist leider so. Aber wie man oben sieht: nicht die Kamera macht das Bild sondern alles davor und dahinter! Licht ist ein wesentlicher Faktor. Und daher gibt’s hier noch ein paar making ofs, das letzte Bild der drei hat im Übrigen zum obigen Motiv geführt:

Persönliches Fazit

Ich persönlich finde klein meistens besser. Klar, es gibt Grenzsituationen, da kommt man nicht hin, aber allgemein schon. Allein nicht acht Stunden mehrere Kilo vors Gesicht zu halten ist es wert.

Wenn ich selbst mein Auftraggaber bin oder im Lightpainting, da bleibt’s bei Olympus, denen ich übrigens sehr für die Unterstützung von mir als Visionary danke (dennoch ist dieser Test hier meine Meinung und nicht „gekauft“). Wenn ich protzen muss (sorry, will ich gar nicht!), dann hab ich ja noch dicke Boliden mit schwerem Glas in peto 😉

Kommentare

kommentare